Montag und Dienstag

Die Woche fing ganz gut an.

Meine Eltern und Ich waren heute einkaufen, gemeinsam, und abends waren die beiden zusammen unterwegs und haben sich amüsiert.

Montag ist nicht viel passiert, Papa hat ja irgendwie den Zwang entwickelt, unsere Wohnung umgestalten zu wollen, er sucht nach Veränderungen in seinem Leben – das Alter für die Midlifecrisis hat er anscheinend schon erreicht, wobei ich hier auch nicht all zu viel Ahnung von habe – und unser Bad sieht jetzt ein wenig anders aus. Aber schöner, teilweise.

Mit dem Familienfrieden hier daheim geht es, wie es vorerst scheint, wieder bergauf. Ich frage mich, wie lange das so bleibt und was der Auslöser für den nächsten Stress wird.

Das Wochenende

Freitag hatte ich nur kurz Schule, mein Vater wollte deshalb den Tag nutzen und wir sind in ein Shoppingcenter gefahren. Wir haben uns super verstanden, das habe ich allerdings nach den stressigen Tagen nicht in meinen Kopf kriegen wollen.

Samstag haben sich meine Eltern auch total gut miteinander verstanden, ich habe das nur bewundert. Nachdem ich dann zum Tanzen gefahren bin – ja ich tanze Standard – habe ich erst etwas mit meinem Freund unternommen und auch bei ihm übernachtet. Wollte von Zuhause einfach nichts wissen.

Heute waren wir dann bei seinem Vater, haben dort gefrühstückt und zu Abend gegessen und waren auch spazieren. Wie eine Familie das so macht eben – gut, eigentlich gehöre ich ja nicht zur Familie, aber das spielt ja keine Rolle. Als wir vom Spaziergang dann wieder „daheim“ eintrafen habe ich den verpassten Anruf von meiner Mutter entdeckt, doch meine Rückrufe scheiterten. Daraufhin habe ich dann Papa angerufen, um zu erfahren, wo Mama ist. Er hatte mir dann etwas von Stress mit ihr erzählt, sie sei richtig schlecht gelaunt und hätte ihn direkt nach dem Aufstehen sofort angebrüllt und sei dann ins Krankenhaus zu meinem Opa gefahren. Ich versuchte es also nochmal bei Mama auf dem Handy, sie nahm den Anruf dann auch entgegen, ich erwähnte nichts von dem, was Papa mir erzählt hatte und sagte ihr dann, dass ich auch bei dem Vater meines Freundes mit zu Abend essen werde.

Als mich mein Freund dann nach Hause brachte, war hier nicht einmal die leiseste Spur von Stress. Ich bin durcheinander.

Donnerstag

Schule war anstrengend. In letzter Zeit habe ich einfach nicht so viel Lust, mich mit anderen Menschen zu unterhalten. Möchte eigentlich einfach alleine sein. In meinem Kopf für mich alleine. Ohne den ganzen Stress, die ganze Unruhe und Hektik zuhause.

Mein Vater hatte ja den Wunsch, ein neues Sofa und einen passenden Couchtisch zu kaufen. Den Plan wollte er heute auch durchsetzen und fuhr mit Mama in den Möbelladen. Ich wollte nicht mit, aus Angst, dass sich meine Eltern dort streiten würden und ich mir das anhören muss. Bin da mittlerweile echt überfordert. In der Hoffnung, alleine zuhause dann endlich ein wenig Ruhe zu finden und meinen Aufgaben nachzugehen – Abibild und Abipullovermotiv zu entwerfen, nebenbei noch ein wenig an meiner Designmappe fürs Studium zu arbeiten und mir ein paar weitere Gedanken zur Studiumshausaufgabe zu machen – blieb ich also hier.

Später erhielt ich einen Anruf von Papa „Ruf die Mama mal an und frag wo die ist! Ich steh hier und finde sie einfach nicht.“

Ich wusste nicht, was passiert war, wollte es eigentlich auch gar nicht wissen, rief aber dennoch Mama an, weil so etwas wichtiges nicht einfach an mir vorbeigeht. Zumal es sich um meine Mama handelt.

So rief ich also an und erfuhr, dass sie zu Fuß auf dem Weg nach Hause ist. Draußen regnete es in Strömen und der Weg ist auch nicht gerade ein Katzensprung. Zumindest nicht im Regen und für meine Mama. Etwas weniger als 5 km hatte sie vor sich.

Ich hab also Papa zurückgerufen, ihm gesagt, dass es Mama gut geht und dass sie zu Fuß nach Hause gehen will. Ihren Standort hab ich ihm nicht gesagt, weil Mama schon angedeutet hatte, dass sie für den Moment mal Ruhe von ihm braucht. Die beiden hatten wohl „Unstimmigkeiten“ beim Sofakauf. Der Kauf ist dann natürlich auch komplett weggefallen, Papa hatte sich ehrlich Sorgen um sie gemacht.

Als er dann hier ankam, natürlich früher als sie, hab ich ihn gefragt, was passiert war. Seine Reaktion hat mich genervt, denn er behauptete, das auch immer noch, dass es nicht seine Schuld gewesen war. Von Mama hatte ich etwas anderes erzählt bekommen, sie war es Leid, dass Papa sie auch noch vor Fremden zur „Schnecke“ macht. Ich habe Papa erklären wollen, dass zu einem Streit immer zwei gehören, aber er beharrte auf seiner Meinung. Daraufhin habe ich mich wieder in mein Zimmer verzogen. Ich hatte keine Lust, mich weiterhin mit ihm auseinanderzusetzen. Umstimmen konnte man ihn ja doch nicht.

Jetzt, gerade, sind die beiden wieder am diskutieren – vorher hatten sie sich prima verstanden. 

Das finde ich so schrecklich. Erst sind sich die beiden am bekriegen und eine Stunde später ist Papa total anders und die beiden halten Händchen. Ich verstehe das nicht.

Post am Donnerstag zum Mittwoch

Ich muss echt sagen, heute war nicht gut.

Nach der Schule bin ich zu meinem Freund gefahren, wollte nicht nach Hause.

Dort habe ich total unerwartet den Anruf bekommen, dass ich mich bei meiner Wunschpraktikumsstelle bei einem Gespräch im März vorstellen darf 🙂

Und trotz der guten Nachricht hatte ich immer den Hintergedanken, dass ich ja doch wieder nach Hause muss und dort auf mich der ganze Stress wartet.

Als ich Abends dann daheim ankam erblickte ich den Waschbeckenkarton im Flur. War ja klar, Papa musste wieder einmal irgendeinen Müll gekauft haben. Naja, als ich dann im Bad schaute, was mit unserem alten Waschbecken geschehen  war, musste ich feststellen, dass man es als Becken nicht mehr nutzen  konnte. Ein großes Loch klaffte mir entgegen.

Auf die Frage, wie das passiert sei, bekam ich von Papa keine Antwort, Mama wusste auch nichts und hat sowieso kaum ein Wort gesprochen. Vermutlich war sie sauer auf ihn. Wer weiß… Vielleicht hat er es absichtlich kaputt gemacht – an der Stelle, wo das Loch ist, waren schon ein paar Risse, die aber eigentlich kaum zu sehen waren. Andererseits könnte ihm auch eine der etlichen Parfumflaschen ins Becken gefallen sein, die auf der Ablage über dem Waschbecken stehen. Das ist mir auch einige Male passiert, aber das Becken ist mir davon noch nicht zerbrochen. Ich weiß es nicht und Papa will es uns nicht sagen.

Also war ziemlich viel Stress zuhause, das neue Waschbecken musste schließlich schnell neu montiert werden, damit man sich am Abend die Hände waschen und die Zähne putzen kann – ohne dabei auf die Badewanne/Dusche zurückgreifen zu müssen.

Damals…

Damals...

Früher war einfach vieles besser.
Ich habe mir nicht über alles Sorgen gemacht, früher waren meine Eltern total glücklich miteinander.
Jetzt gibt es diese seltenen Momente, aber auch nur, wenn es Papa richtig schlecht geht, wo er Mama einen Kuss gibt.
Damals haben sie sich immer geküsst.
Damals haben sich sich umarmt, mit mir dazwischen.
Damals haben sie viel gelächelt.
Jetzt streiten sie sich oft, Papa geht es immer öfter schlecht und er vertraut uns nicht mehr.

Heute war kein guter Tag. Mama musste zu einem Arzttermin, Papa wollte das Auto. Außerdem will er sich seit längerem ein Sofa kaufen und einen neuen Couchtisch. Ja, und da hat er Mama dann einfach verboten, das Auto zu nehmen und zum Arzt zu fahren. Sie hat es dann trotzdem gemacht. Hätte ich aber auch.
Während ich also mit Mama am telefonieren war und sie mir das berichtete, stürmte Papa in mein Zimmer und wollte, dass ich ihm ein Taxi rufe, das ihn in die Stadt fährt.
Ich wusste nicht, was ich tun sollte, also hab ich Nein gesagt, daraufhin wurde er sauer. Aber noch wütender wurde er, als er herausfand, mit wem ich am telefonieren war.
Er hatte sich das Taxi aber in der Zwischenzeit schon selber bestellt und war gerade seine Sachen am packen. Er fragte mich nach dem Ordner, wo wir seine Krankenhaus- und Arztberichte verstauten und ich zeigte ihm, wo der Ordner steht. Ich wusste ja nicht, was er damit vorhatte, fragte auch gleich darauf, bekam aber keine Antwort.
Stattdessen wurde ich mies angemacht, warum ich ihn jetzt auch so kontrollieren würde.
Das tue ich doch überhaupt nicht!
Wenn er mit wichtigen Akten irgendwo in die Stadt will, mir irgendwas erzählt von wegen Arzt und sowas, dann glaub ich das doch nicht! Man geht nicht mit Bankdaten zum Arzt!
Ich bin das langsam satt, dass er Mama beschuldigt. Und ich bin es Leid, dass er jetzt auch auf mich sauer ist, weil ich meine Tante angerufen habe aus Verzweiflung!
Wenn das nochmal so schlimm ist, werde ich hier für ein Weilchen weg gehen und zu meinem Freund und seiner Familie ziehen.
Das ist schon alles abgeklärt, denn, wenn ich hier bleibe, gehe ich kaputt oder schaffe mein Abitur nicht…
Aber wenn ich weggehe, lasse ich Mama alleine und dann habe ich ein schlechtes Gewissen.
Ich weiß nicht, was ich tun soll…

Montag

Heute hatte Papa normale Laune. Nicht die Beste, aber auch nicht die Schlechteste.

Dafür sollte ich dann mit ihm heute einkaufen fahren.

Also, ich hatte dann mal früh Schule aus, durfte direkt um 11:30 wieder heim, wo ich doch erst um 9:40 zur Schule gekommen war – ja, das sind die entspannten Tage, wo die Lehrer dann alle krank sind.

Ich kam dann nach Hause und auf dem Weg nahm ich einen Anruf von Papa entgegen. Er fragte, ob ich mit ihm einkaufen fahren wolle. Eigentlich hatte ich überhaupt keine Lust darauf, denn immer, wenn ich früh Schule aus habe, muss ich mit einkaufen fahren. Ich habe aber trotzdem Ja gesagt, aus Angst, dass Papa sonst alleine fährt.

Zuhause habe ich dann festgestellt, dass es Mutter nicht gut geht. Sie hat sich wohl irgendeinen Darminfekt eingefangen, kurz um Mama gekümmert, ein bisschen gequatscht, damit sie sich was ablenken kann vom ganzen Übel sein und so was und dann hab ich mir auch gleich den Autoschlüssel geschnappt, um die Einkaufstour mit Papa schnell hinter mich zu bringen.

Unser Ziel war es eigentlich, einen neuen Mülleimer und eine Musik-CD zu kaufen.

Beim Möbelhaus (Nein, nicht IKEA) haben wir Ausschau nach einem Mülleimer gehalten aber wie das ja so ist, man will die Kunden förmlich zum Kaufen zwingen. Um an einen dämlichen Mülleimer zu kommen, mussten wir durch das ganze Erdgeschoss, an den Sofas vorbei, an den Kleiderschränken und an den Teppichen und was noch all da stand. Ich hasse Möbelhäuser. Aber Papa gefiel es, er wollte auch gleich eine Couch kaufen, wovon Ich ihn aber abgehalten habe, unsere Couch ist zwar an seiner Stelle schon was durchgesessen, aber das Geld haben wir trotzdem nicht.

Beim Mülleimer angekommen haben wir dann auch gleich ein wenig gestritten, denn irgendwie hat keiner Mama so wirklich verstanden, was für einen Mülleimer sie haben wollte. Eine Tretmülltonne oder einen Schwingklappeneimer. Wir haben dann einen „Push“-Eimer genommen – wie sich später herausstellte genau der, den Mama nicht haben wollte.

Da wir das ja nicht wussten, obwohl wir Mama noch angerufen haben, und ihr mit Mühe und Not erklären wollten, WAS für ein Mülleimer jetzt genau vor uns steht, sind wir weiter zum Elektronikfachhandel.

Papa ist im Laden rumgeirrt, mit dem Hintergedanken sich irgendetwas kaufen zu müssen und hatte mir kurz vorher den Auftrag erteilt, ein gewisses Album zu kaufen. Die Aktion hat nicht einmal 2 Minuten gedauert, da fiel Papa ein, was er noch brauchte.

Aus der erhofften 1/2 Stunden Shoppingtour wurden locker mal 3 Stunden, mein geplantes Aufräumen meines Zimmers fiel deshalb weg, meine Nerven gleich mit. Die hätte man dann auch gleich im neuen Mülleimer entsorgen können, denn wie sich herausstellte ist die Klappe für unseren Haushalt viel zu klein. Umtauschen wollte ich den heute allerdings nicht mehr.

Ein gutes hatte der Tag aber:

Ein bisschen aufgeräumt habe ich dennoch. Und meine Kreativität, die vor lauter Stress die letzten Tage anscheinend ausgezogen ist, hat sich heute wieder bei mir gemeldet und mir einen Geistesblitz verschafft, der mich in meiner Mappe für das Kommunikationsdesignstudium ein Stück weitergebracht hat. Ein Hoch auf die Nerven, die besten Freunde der Kreativität.

Sonntag

Als mich meine Mutter im Cafe abholte, wo wir uns verabredet hatten, erzählte sie mir, dass sie mit meinem Vater gestern Abend schön gemeinsam TV geschaut haben. Papa ginge es wohl wieder besser.

Dem war auch so, als ich daheim ankam und abends sind wir zusammen mit meiner Großmutter Essen gegangen. 🙂