Stress ist ungesund!

 

Wer unter Hochdruck steht sollte dringend Dampf ablassen.

 

Helga Schäferling (*1957), deutsche Sozialpädagogin

 

Die letzten 12 Monate waren nicht gut.
Nein, ganz und gar nicht gut.
Meine Mutter ist mit den Nerven definitiv am Ende seit heute.
Am liebsten würde sie Papa nie wieder sehen. Aber das geht nicht.
So gestresst und unter Anspannung stehend habe ich sie noch nie gesehen.
 
Meine Mutter hatte es damals schon nicht leicht. Bevor sie meinen Vater geheiratet hat, war da noch ein Mann.
Und wenn ich diesem Mann heute begegnen würde, würde ich ihm in die E… treten.
Er hat sie geschlagen und beleidigt. Sie war sehr unglücklich mit ihm. Irgendwann hat sie ihn natürlich verlassen.
Recht so, das hat der Idiot verdient.
 
Und jetzt ist sie mit einem Mann verheiratet, der ihr die Nerven raubt.
Leichtsinnig, Stur, Dickköpfig, Naiv, Egoistisch; Heute.
Damals war er anders. Stur war er aber schon immer. Leichtsinnig auch.
Mein Vater war der Draufgänger überhaupt. Früher hat er mit seinen Jungs Blödsinn gemacht, für den man heute verhaftet werden würde. Viel zu oft hat er sich schwerwiegende Verletzungen zugeführt durch seine Aktionen, einmal auch Kontakt mit Säure gehabt.
Aber das sind viel zu lange Geschichten, die auch nichts hier zu suchen haben.
Und jetzt überschätzt er sich. Ich denke, er wünscht sich seine Fitness und seine Motorik aus Jugendzeiten zurück. Verständlich.
Gestern konnte er die Tasse Kaffee halten, ohne gleich seine ganze Hose damit einzusauen und heute ist das alles gar nicht mehr so einfach. Die Tasse hält sich nicht mehr so gut. Sie wackelt viel zu sehr. Und das frustriert.
Die ständigen Krankenhausaufenthalte machen die ganze Situation nicht leichter. Ständiger Standortwechsel, das Abendessen gibt es auf einmal schon 2 Stunden früher, das Frühstück fällt mager aus und der Kaffee schmeckt auch nicht so wie zu Hause.
Und die Menschen erst. Manchmal hat Vater Glück und er liegt gemeinsam mit sehr netten Menschen in einem Zimmer. Ein anderes Mal ist da ein Mann, der uns alle beleidigt, obwohl er uns nie gesehen oder von uns gehört hat. Er war ja immer am Schlafen.
Es gibt da auch noch einen Mann, zu dem haben wir immer noch Kontakt. Er war sehr nett, wir haben mit ihm gelacht und ihm auch zugehört, wenn er was zu erzählen hatte. Wir sind Freunde geworden. Er leidet auch an MS, kann nicht mehr so schnell und deutlich sprechen, braucht immer ein paar Minuten um seinen Satz zu vervollständigen, so dass man ihn versteht.
Bald treffen wir uns noch einmal mit ihm.
Ich glaube, es ist auch besser, wenn Papa ein paar Leute kennt, die auch unter MS leiden.
 
Zurück zu meiner Mutter:
Sie hat heute nichts gegessen seit Papa verschwunden war.
Sie hat auch jetzt noch keinen Bissen zu sich genommen, all das war zu viel für sie.
Es tut mir weh, sie so zu sehen, sie mag nicht reden. Sie hat die Nase gestrichen voll.
Ich sag ihr zurzeit öfters „Ich hab dich lieb“, das haben wir früher fast nie gemacht. Unsere Beziehung war damals nicht die Beste, wir haben oft gestritten wegen den üblichen Dingen – Mein Zimmer war nicht aufgeräumt, etc. – An Hausarbeit bin ich nicht beteiligt, helfe aber jetzt auch regelmäßig mit beim Spülmaschine ausräumen oder einräumen und staubsauge auch des öfteren. Ich will sie entlasten, manchmal will sie das aber nicht. Ich weiß auch warum: Sie lenkt sich damit ab, dann muss sie nicht über all das Zeug mit Papa denken. Schlafen tut sie auch die letzte Zeit kaum.
Wir haben immer Angst, dass Vater in der Nacht rausgeht und ihm was passiert, das hat er vor ein paar Wochen gemacht und nie sein Handy, noch den Schlüssel dabei gehabt. Das heißt, er hat uns eine Nacht zweimal wach geklingelt, beim ersten Mal hatte er sogar den Laptop mit raus genommen. Vorgestern hat er auf der Couch „geschlafen“, denn wenn er dann aufwacht und nicht  mehr einschlafen kann, hat er direkt den Fernseher vor sich oder den Laptop und kann sich ablenken ohne Mama dabei wach zu machen.
Ja, die letzte Zeit ist fast noch viel stressiger als der tägliche Besuch im Krankenhaus. Da konnte Mutter noch nachts schlafen, da war Papa ja nicht da und konnte umfallen oder sonst etwas anstellen.
 
Ich hoffe meiner Mama geht es morgen ein bisschen besser.
Ich glaube, wir brauchen dringend Hilfe. Sonst wird Mama auch noch krank.
Krank vor Sorge.
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