14. April

Mein Vater befindet sich immer noch im Krankenhaus, gestern hat er wieder stark zitternde Hände gehabt. Er tat mir Leid, weil er einerseits ganz alleine auf einem Zimmer lag die letzten Tage und andererseits so aussieht, als würde er sich von uns vernachlässigt fühlen. Ich weiß, wie schwer es Mama momentan hat. Opa liegt ja schließlich auch noch im selben Krankenhaus und kämpft vermutlich um sein Leben, ihm geht es sehr schlecht. Gestern Nacht hat er wieder begonnen zu krampfen und die Ärzte wissen nicht wirklich, warum. Ich war gestern auch noch bei ihm, hab es aber dort kaum ausgehalten. Er lag im Bett und zeigte kaum Reaktionen. Er war wie ein Zombie. Der Anblick tat mir weh, zumal er doch letzte Woche Freitag noch entlassen werden sollte, weil es ihm total gut ging.

Und Mama muss immer zwischen Opa und Papa wechseln, sie kann sich ja leider nicht zweiteilen, was die Sache aber definitiv erleichtern würde. Ich glaube, dass Papa denkt, dass Mama nur wegen Opa ins Krankenhaus fährt und Papa dann, wenn sie schon mal da ist, nur gelegentlich besucht, weil ihr langweilig ist oder etwas in der Art.

Wir hatten gestern auch DAS Gespräch. Das über den Tod. Was passiert, wenn Opa sterben sollte (was momentan durchaus eine Möglichkeit wäre, da es ihm eben so schlecht geht und alle der Meinung sind, dass er darauf auch keine Lust mehr hat). 

Er hat Schmerzen, das sieht man ihm an, und er hat keine Lust mehr auf den ganzen Quatsch mit dem Krankwerden und den Viren, die man sich in Krankenhäusern einfangen kann. Aber was passiert mit Oma, wenn Opa tatsächlich sterben sollte in den nächsten Tagen oder Wochen? Sie kann unmöglich alleine in dem großen Haus bleiben. Wir werden für sie da sein, müssen aber auch die ganze Situation mit Papa gestemmt kriegen. Bei Oma einziehen können wir nicht, obwohl Platz dafür wäre. Papa würde die Stufen nicht schaffen und im Erdgeschoss ist kein Platz für ein Bett, er würde ja schließlich nicht im Gästebad, in der Küche, im Esszimmer oder im Wohnzimmer schlafen wollen. Dafür kann aber Oma immer zu uns, oder zu meiner Tante. Ich glaube, die Zeit überstehen wir schon irgendwie, falls sie eintreten sollte. 

Ich hoffe, alles wird wieder gut. Ich habe noch nicht die Hoffnung aufgegeben. Es mag sein, dass ich die Einzige unter uns bin, die noch daran glaubt, dass alles wieder gut wird, und es mag auch sein, dass es mich dann am überraschendsten trifft, wenn alles so eintreten sollte, wie schon ausgemalt. Aber ich hör nicht auf daran zu glauben, dass Opa wieder kerngesund wird und dass es Papa auch, wenn er entlassen werden sollte, für längere Zeit wieder gut gehen wird.

Wir schaffen das!

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