17. April

Heute ist nichts passiert. Zum Glück. Endlich mal ein Tag ohne Aufregung und Stress. Papas Laune wird immer besser, er hat aber immer noch Gleichgewichtsstörungen und das Zittern ist auch noch nicht weg. Aber ich glaube daran, dass es ihm bald wieder gut geht.

Opas Zustand hat sich auch gebessert, gestern hat er das Zimmer verlassen. Wenn auch in einem speziellen Stuhl mit Decke, Herzmonitor und der ganzen Maschinerie.

Aber es wird. Ich bin glücklich.

Advertisements

15. April

Nun ist Papa wieder zuhause, wir haben aber noch viele Schwierigkeiten, dadurch, dass er eben nur noch schlecht laufen kann. Ich habe schon wieder die Bilder im Kopf, wie er auf dem Boden lag und das böse Gefühl, dass es diese Nacht wieder passieren wird. Die Krankenkasse und das Sanitätshaus können/wollen/dürfen uns den so dringend benötigten extraschmalen Rolllator nicht geben, den müssten wir selber bezahlen und das Geld dafür ist nicht da. So kommt Vater jetzt nicht selbstständig ins Bad oder in die Küche, die Türen sind zu schmal und ich bin echt sauer, dass uns niemand helfen will.

Wie soll er denn bitte alleine, ohne Rolllator oder Rollstuhl in Küche oder Bad kommen? Wie denn? Die Dame am Telefon meinte, meine Mutter könne ihn ja dahin tragen oder ihm unter die Arme greifen. Haha! Dass ich nicht lache. Meine kleine zerbrechliche Mutter soll meinen 30kg schwereren Vater dahin tragen? Selbst ich schaffe das nicht. Nur zu zweit ist das möglich und da entweder ich oder sie nicht da ist tagsüber ist das nicht realisierbar. In mir kocht es. Diese Menschen, die denken, es sei mit so etwas getan. Meine Mutter hat versucht der Dame zu erklären, dass das unmöglich ist, aber der war das egal. Gut, wenn sie nichts machen kann, dann ist das ja eine Sache, aber dass meine Mutter sich mit ihr rumstreiten musste… Das war vermeidbar.

Wir wissen nicht, wie wir das hier zuhause stemmen sollen.

Im Krankenhaus wurde auch wieder nichts getan. Mein Papa hat nur seine üblichen Medikamente und Kortison bekommen. Er ist sogar im Krankenhaus vor den Pflegern gefallen, die aber waren zu faul darauf einzugehen. Jetzt sitzt er wieder hier zuhause und es geht ihm nicht besser. HALLO? Kann denn niemand was machen???? Warum schließen denn alle ihre Augen, wenn es doch offensichtlich ist, wie viel Hilfe er braucht?!

Meine Mama und Ich haben überlegt, vielleicht gehen wir ans Fernsehen und suchen dort nach Hilfe.

Das geht so nicht weiter und wir wissen nicht mehr wohin.

Umfrage

14. April

Mein Vater befindet sich immer noch im Krankenhaus, gestern hat er wieder stark zitternde Hände gehabt. Er tat mir Leid, weil er einerseits ganz alleine auf einem Zimmer lag die letzten Tage und andererseits so aussieht, als würde er sich von uns vernachlässigt fühlen. Ich weiß, wie schwer es Mama momentan hat. Opa liegt ja schließlich auch noch im selben Krankenhaus und kämpft vermutlich um sein Leben, ihm geht es sehr schlecht. Gestern Nacht hat er wieder begonnen zu krampfen und die Ärzte wissen nicht wirklich, warum. Ich war gestern auch noch bei ihm, hab es aber dort kaum ausgehalten. Er lag im Bett und zeigte kaum Reaktionen. Er war wie ein Zombie. Der Anblick tat mir weh, zumal er doch letzte Woche Freitag noch entlassen werden sollte, weil es ihm total gut ging.

Und Mama muss immer zwischen Opa und Papa wechseln, sie kann sich ja leider nicht zweiteilen, was die Sache aber definitiv erleichtern würde. Ich glaube, dass Papa denkt, dass Mama nur wegen Opa ins Krankenhaus fährt und Papa dann, wenn sie schon mal da ist, nur gelegentlich besucht, weil ihr langweilig ist oder etwas in der Art.

Wir hatten gestern auch DAS Gespräch. Das über den Tod. Was passiert, wenn Opa sterben sollte (was momentan durchaus eine Möglichkeit wäre, da es ihm eben so schlecht geht und alle der Meinung sind, dass er darauf auch keine Lust mehr hat). 

Er hat Schmerzen, das sieht man ihm an, und er hat keine Lust mehr auf den ganzen Quatsch mit dem Krankwerden und den Viren, die man sich in Krankenhäusern einfangen kann. Aber was passiert mit Oma, wenn Opa tatsächlich sterben sollte in den nächsten Tagen oder Wochen? Sie kann unmöglich alleine in dem großen Haus bleiben. Wir werden für sie da sein, müssen aber auch die ganze Situation mit Papa gestemmt kriegen. Bei Oma einziehen können wir nicht, obwohl Platz dafür wäre. Papa würde die Stufen nicht schaffen und im Erdgeschoss ist kein Platz für ein Bett, er würde ja schließlich nicht im Gästebad, in der Küche, im Esszimmer oder im Wohnzimmer schlafen wollen. Dafür kann aber Oma immer zu uns, oder zu meiner Tante. Ich glaube, die Zeit überstehen wir schon irgendwie, falls sie eintreten sollte. 

Ich hoffe, alles wird wieder gut. Ich habe noch nicht die Hoffnung aufgegeben. Es mag sein, dass ich die Einzige unter uns bin, die noch daran glaubt, dass alles wieder gut wird, und es mag auch sein, dass es mich dann am überraschendsten trifft, wenn alles so eintreten sollte, wie schon ausgemalt. Aber ich hör nicht auf daran zu glauben, dass Opa wieder kerngesund wird und dass es Papa auch, wenn er entlassen werden sollte, für längere Zeit wieder gut gehen wird.

Wir schaffen das!

Das erste April Wochenende

Nachdem ich mich das Wochenende über zu meinem Freund verkrümelt und Mama sozusagen mit Papa alleine daheim gelassen habe, ging es hier zuhause natürlich drunter und drüber. Sonntagmorgen hat Mutter dann den Notarzt gerufen, Papa war immer noch stumm, hat lediglich genickt und redete auch heute bei unserem Besuch im Krankenhaus nicht wirklich viel. Wenn er was beantworten sollte, dass er mit einem Nicken, Kopfschütteln oder Handbewegungen zeigen konnte, dann tat er das auch so.

Während wir also Papa im Krankenhaus besuchen wollten, wurde mein Opa ebenfalls ins selbe KH transportiert, da er seit heute Morgen krampfte. Ihm ging es sehr sehr schlecht, Mutter ist immer noch nicht zuhause. Er lag auf der Intensiv und musste beatmet werden, als ich fuhr.